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Struktureller Wandel

Der Fluss des Erlebens

Gebundenheit an eine Form

Beobachtungen zweiter Ordnung

Transpersonales Focusing

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Transpersonales Focusing
 
pfauenauge- oder die Kunst, strukturellen Wandel zu erlauben ...
Wenn wir Focusing praktizieren, dann begeben wir uns in eine Bewusstseinsebene, die wir »innere Achtsamkeit« nennen. Phänomenologisch beschreiben wir sie als ein wenig »unterhalb« unseres Alltagsbewusstsein, als eine verlangsamte und nicht zielorientiert Form des »Bemerkens«. Wir bezeichnen das in der Alltagssprache auch als das »Einschalten« unseres »inneren Beobachters«. In anderen Achtsamkeitstraditionen wird diese bewusst eingenommene Haltung auch »der innere Zeuge« oder »das Zeugenbewusstsein« genannt.

Der Fluss des Erlebens
Aus der Perspektive des »Zeugens« richten wir unseren Fokus nun auf den eigenen, körperlich wahrnehmbaren Erlebens-Strom. Wir bemerken, wie Gedanken, Gefühle, innere Bilder und Körperempfindungen kommen und wieder gehen. Manchen davon schenken wir mehr Aufmerksamkeit als anderen, sie erscheinen uns von »Bedeutung«. Zunächst erscheint uns diese Auswahl eher zufällig.
Mit der Zeit bemerken wir jedoch in der Beobachtung unserer Empfindungen, dass es dort Gleichförmigkeiten gibt: Wiederkehrende Gefühle, Gedanken, Körperempfindung. Wir entdecken, sich wiederholende »Muster«. Man könnte auch sagen, dass unser Erleben einem persönlichen »Stil« folgt.

Gebundenheit an eine Form
Der Schöpfer des »Focusing«, Eugene T. Gendlin, hat diesem Phänomen in seiner ihm eigenen philosophischen Sprache die Bezeichnung »Strukturgebundenheit« gegeben. Damit bringt er zum Ausdruck, dass das, was wir in diesem Zusammenhang wahrnehmen können, ein Festgelegtsein auf eine bestimmte Form ist.
Wenn ich zum Beispiel eine »Panik-Attacke« erlebe, dann ist das wie eine »Welle« im Ozean meines Erlebens, die auf eine bestimmte Art und Weise – meist wiederkehrend – im Bewusstsein auftaucht. Auch weniger dramatische innere Ereignisse folgen solchen Mustern.
Diese Art von Erfahrungen bezeichnete Gendlin auch als »frozen whole«, was man als »gefrorenes Ganzes« übersetzen könnte. Zur Veranschaulichung lässt sich aus diesem Sprachgebrauch auch die »Eisbergmetapher« ableiten: Strukturgebundenheiten »schwimmen« wie »Eisberge« im Ozean unseres Erlebens. Sie bestehen aus der gleichen Substanz (Wasser), sind aber in ihrer Form (zunächst) festgelegt.

Beobachtungen zweiter Ordnung
Wenn wir nun beginnen, uns für die Formen und Muster, also den »Stil« unseres Erlebens zu interessieren, dann nehmen wir – systemisch betrachtet – die so genannte Beobachterperspektive zweiter Ordnung ein: Wir fokussieren nicht auf das Phänomen an sich (1. Ordnung), sondern interessieren uns dafür, wie es organisiert ist.
Dieser Blickwinkel führt automatisch zur Entkoppelung der Gebundenheit, bzw. zur De-Konstruktion oder Des-Identifikation mit dem Erlebens-Inhalt.
Zur Veranschaulichung: Die viel zitierte Aufforderung »denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten« führt in unserem Bewusstsein dazu, dass wir uns genau einen solchen vorstellen – wir können gar nicht anders. Man könnte das auch als eine Identifikation mit einem Bewusstseins-Inhalt bezeichnen.
Wenn ich mich aber damit beschäftige, wie die Vorstellung eines rosaroten Elefanten in meinem Bewusstsein organisiert ist, dann löst sich diese »Selbst-Hypnose« wieder auf und ich erkenne sie als eine selbst-konstruierte Erscheinung im eigenen Geist.
Im Buddhismus wird gelehrt, dass der forschende Geist die substantielle Leere aller Erscheinungen erkennt. Die Form erweist sich so als formlos, oder anders ausgedrückt: »Form ist Leere und Leere ist Form« (wie es im buddhistischen Herz-Sutra heißt).

Transpersonales Focusing
»Transpersonales Focusing« beschreibt also die Wahrnehmungs-Perspektive im Fokussieren, die dafür geeignet ist, (leidvolle) Bindungen an Erlebensinhalte aufzulösen. Es ist die Perspektive, die sich für das wie interessiert: Wie ist mein Erleben organisiert?
Wenn wir dieser Perspektive folgen, tauchen wir ein in den Mikrokosmos unserer Erfahrungen. Wir entdecken die Muster hinter den Mustern hinter den Mustern u.s.w., wie ein Forscher, der durch ein Mikroskop blickt. Am Grund oder Ende dieses Erforschungs-Vorganges angekommen, erfahren wir Nicht-Identifikation und damit die Loslösung aus der Gebundenheit.
Der »Eisberg« kehrt so wieder in seine Ur-Substanz (Wasser) zurück, die »Raupe« wird zum »Schmetterling«. In unserem Bewusstsein erscheint ein Erleben von »Ver-Wandlung«.

Maria-Anne Gallen (Mai 2014)

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Literatur:




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